Viele Selbsthilfeinitiativen und Gesundheitseinrichtungen sammeln bereits seit Jahren gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit. „Die Laienkompetenz in den Selbsthilfegruppen hat ein enormes Potenzial als zusätzliche Unterstützung im Behandlungsprozess“, erklärt Claudia Schick, Selbsthilfereferentin beim AOK-Bundesverband. Beispielhaft für die gute Kooperation der Selbsthilfe mit Medizinern in Krankenhäusern, Rehakliniken oder ambulanten Arztpraxen sind zwei Projekte, die die Gesundheitskasse gezielt gefördert und maßgeblich mit auf den Weg gebracht hat: das Netzwerk „Selbsthil- fefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen“ und das Projekt „Peers im Krankenhaus“ (PiK), bei dem Patienten vor oder nach ei- ner Amputation eine Beratung erhalten. Für die Betroffenen ist der Verlust eines Körperteils in der Regel ein traumatisches Erlebnis, das viele Ängste und Fragen produziert. Ganz egal, wie einfühlsam behandelnde Ärzte und Psychologen auch sind, können sie eins doch nicht ersetzen: das Gespräch mit jemandem, der diese Situation bereits selbst erlebt hat. Deshalb hat die AOK zusammen mit dem Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputationen e. V. (BMAB) und weiteren Partnern das Projekt „PiK“ ins Leben gerufen.
Im Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn (UKB) können nun Patienten, die eine Amputation noch vor oder bereits hinter sich haben, direkt vor Ort – zusätzlich zur standardmäßigen psychologischen Betreuung – auch mit jemandem sprechen, der seinen Verlust durch eine Amputation bereits verarbeitet hat. Diese Gespräche sollen den Patienten Mut machen und sie unterstützen, mit der neuen Lebenssituation umzugehen. In der Regel sind Betroffene nach diesem sogenannten Peer-Counseling seelisch stabiler und können die Notwendigkeit der Amputation, die oft als mühsam empfundene Anpassung einer Prothese und die Strapazen der neuen Situation besser akzeptieren.
Um das Peer-Counseling weiter zu verbreiten, bietet das PiK-Projekt allen interessierten Kliniken Information und Beratung an sowie Schulungen für zukünftige Peers, Ärzte, Pflegepersonal, Psychologen, Physiotherapeuten und Orthopädietechniker. Die nächste zweitägige Schulung findet am 13./14.November 2015 in den Räumen des Unfallkrankenhauses Marzahn statt. Interessierte können sich beim BMAB bis zum 01.Oktober 2015 anmelden. Das zweite beispielhafte Selbsthilfe-Kooperationsprojekt, das der AOK- Bundesverband aktiv fördert, ist das Netzwerk „Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen“. Dieses Netzwerk in Trägerschaft des Paritätischen stellt Selbsthilfeakteuren ein strukturiertes Verfahren für den Start und die Pflege von Kooperationsbeziehungen mit Gesundheitseinrichtungen zur Verfügung. Mithilfe dieses Konzeptes lässt sich die Vernetzung mit Kliniken und Praxen systematisch gestalten und nachhaltig ausweiten. Ziel ist es, die Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe möglichst reibungslos in den Alltag von Kliniken und Praxen einzubinden. Erfüllen die beteiligten Gesundheitseinrichtungen bestimmte Qualitätskriterien der Selbsthilfefreundlichkeit, können sie im Rahmen dieser Kooperationen die Auszeichnung „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ beziehungsweise „Selbst- hilfefreundliche Rehaklinik“ erhalten.
Mehr Infos zum Netzwerk:
www.selbsthilfefreundlichkeit.de
Mehr Infos zum Projekt PiK: www.bmab.de
Quelle: inKontakt – Der Selbsthilfe-Newsletter der AOK
