Regensburg (obx) – Mediziner sind in vielen Fällen bislang machtlos, wenn der Körper gegen sich selbst kämpft und die Abwehr gegen körpereigenes Gewebe in Stellung bringt. Über 60 Krankheiten sind bekannt, bei denen der Feind im eigenen Organismus lauert. Dazu gehören unter anderem die Multiple Sklerose (MS), aber beispielsweise auch Schuppenflechte, chronische Magen- und Nierenentzündungen. Forschungsergebnisse des Universitätsklinikums Regensburg geben Betroffenen jetzt einen neuen Hoffnungsschimmer: Eine Gruppe an Wissenschaftlern um den Mediziner Professor Dr. Matthias Mack ist im Kampf gegen die vernichtende Kraft der Auto-Immunkrankheiten einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Für ihre Arbeit sind die Regensburger Wissenschaftler jetzt mit dem Innovationspreis 2015 des Arbeitskreises der Bioregionen in Deutschland ausgezeichnet worden.
Autoimmunkrankheiten geben der Medizin bis heute Rätsel auf: Fehlgesteuerte Immunzellen greifen körpereigene Gewebe oder Zellen an. Warum der Körper so reagiert, ist meist unbekannt. In der Folge entsteht eine chronisch verlaufende Entzündungsreaktion. Diese führt zu erheblichen Funktionseinschränkungen und Schmerzen. Schuld daran sind spezielle weiße Blutkörperchen (Monozyten), die für die Immunabwehr eine große Rolle spielen. Bisher wird versucht, deren Aktivität durch Kortisonbehandlungen einzudämmen. „Alle derartigen Ansätze sind nur partiell effektiv und nebenwirkungsreich“, sagt Professor Dr. Mack.
Er und seine Regensburger Forscherkollegen haben in zahlreichen Versuchen herausgefunden, dass es bei Erkrankungen wie MS einen ganz bestimmten Untertyp dieser weißen Blutkörperchen gibt, der für die Entzündungsreaktion verantwortlich ist (CCR2+ Monozyten). In intensiven Experimenten ist es Prof. Mack gelungen, einen Antikörper zu entwickeln, der diese fehlgesteuerten Abwehrzellen fast vollständig aus dem Blut und dem entzündeten Gewebe entfernt. „Der humanisierte Antikörper wurde bereits erfolgreich in Tiermodellen der Multiplen Sklerose getestet“, sagt Professor Mack. Für die Zukunft sind nun weitere Tests geplant.
„Die Forschungsergebnisse aus dem Klinikum Regensburg ermöglichen völlig neue Perspektiven bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen“, sagt der Geschäftsführer des Bioparks Regensburg, Dr. Thomas Diefenthal. Deshalb habe die Jury das Forschungsprojekt für den Innovationspreis ausgewählt.
In Regensburg selbst sieht man den Preis – verliehen vom Zusammenschluss dreißig regionaler Initiativen in der gesamten Bundesrepublik – auch als weitere Bestätigung auf dem Weg zu einer der führenden Biotech-Regionen Deutschlands. Seit der Gründung des Bioparks als Zentrum des Biotechnologie-Clusters BioRegio Regensburg in Ostbayern im Jahr 1999 haben der Freistaat Bayern, Bund und Europäische Union einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in den Ausbau des High-Tech-Parks investiert. Ein Investment, das sich auszahlt: Seither hat sich die Zahl der Arbeitsplätze in der Biotechnologie-Branche in der Region mehr als versiebenfacht auf aktuell rund 3.400 Fachkräfte. Insgesamt wurden bisher bereits über 250 Millionen Euro in die Unternehmen des Biotechnologie-Clusters Ostbayern investiert. Das Kompetenz-Netzwerk ist nach der Bio-Tech-Region München das zweitgrößte in Bayern.
