Wenn es um die Beurteilung von Nutzen und Schaden von Untersuchungen oder Behandlungen geht, spielen Zahlenangaben eine Rolle. Viele Menschen vertrauen bei ihren Entscheidungen allein auf den Rat ihrer Ärzte. Andere möchten aber genau wissen, wie groß Nutzen und Risiken in Zahlen ausgedrückt tatsächlich sind. „Nutzen und Schaden können in unterschiedlichen numerischen Formaten dargestellt werden. Einige davon, wie zum Beispiel relative Wahrscheinlichkeiten, sind nicht nur für Laien schwer durchschaubar, auch Fachleute haben damit ihre Probleme“ weiß Dr. Odette Wegwarth. Die leitende Wissenschaftlerin am Harding Zentrum für Risikokompetenz beschäftigt sich damit, wie Zahlenangaben aussehen müssen, damit sie von jedermann verstanden werden. „Häufig werden in Patienten-Informationen Zahlenformate verwendet, die überhaupt nicht hilfreich sind und Ratsuchende sogar auf eine falsche Fährte führen können.“, berichtet Wegwarth. Sie führt ein Beispiel an: „Lange Zeit wurde die Mammographie damit beworben, dass sie das Risiko an Brustkrebs zu sterben um 25% senke. Diese Zahl ist an sich nicht falsch. Sie wird aber von der Mehrzahl der Menschen so verstanden, dass von 1000 an der Mammographie teilnehmenden Frauen nun 250 weniger an Brustkrebs verstürben. Tatsächlich verbirgt sich hinter diesen 25% aber etwas anderes: Bei einer regelmäßigen Teilnahme an der Mammographie über 10 Jahre konnte das Risiko an Brustkrebs zu sterben von vier auf drei pro 1000 Frauen gesenkt werden. Und der Unterschied zwischen 4 (= 100%) und 3 (75% von 4) beträgt 25%.“ Es handelt sich hierbei um eine sogenannte „relative Wahrscheinlichkeit“. Hinter den 25% verbirgt sich eine absolute Verminderung von einer vor dem Brustkrebstod bewahrten Frau pro 1000 und nicht 250.
Auf diese Zahlen kommt es an
„Es ist hilfreich, wenn Patienten Zahlen hinterfragen, besonders Prozentsätze, da diese oft relative Wahrscheinlichkeiten sind “ empfiehlt Wegwarth. Sie rät immer nachzufragen, worauf sich die angegeben Zahlen beziehen. Dabei sind zwei Angaben wichtig: die Anzahl von Patienten, die etwas betrifft oder nicht betrifft und der Zeitraum, in dem ein Ereignis auftreten kann oder nicht. Beispiele für Fragen sind: ‚Wie viele von 1000 Patienten so wie ich werden durch die Einnahme des Medikaments beschwerdefrei sein und wie viele von 1000 wie ich, die es NICHT nehmen, werden keine Beschwerde haben?’ oder ‚Wie viele von 1000 Patienten so wie ich müssen mit Nebenwirkungen leben, wenn sie das Medikament nehmen? oder ‚Wie viele von 1000 Patienten so wie ich müssen in den nächsten 10 Jahren damit rechnen diese Erkrankung zu bekommen?’ Die Wissenschaftlerin weist darauf hin, dass immer Bezugsgrößen angegeben werden müssen (z.B. 4 von 1.000 untersuchten Personen). Außerdem sollten Risiken und Wahrscheinlichkeiten nach Möglichkeit immer als absolute Zahlen angegeben werden, also zum Beispiel 12 von 1000. „Nur so können wir eine realistische Vorstellung darüber bekommen, was uns tatsächlich erwartet“ ist Wegwarth überzeugt.
Die Wissenschaftler vom Harding Zentrum für Risikokommunikation haben unter der Adresse www.harding-center.mpg.de/de/gesundheitsinformationen/faktenboxen den Nutzen und die Risiken von medizinischen Maßnahmen bei verschiedenen Erkrankungen in sogenannten Faktenboxen zusammengestellt. „So kann auch jeder medizinische Laie seine Entscheidung auf verständliche Zahlenangaben stützen“.
Der Tipp aus dem Netz:
Risikokommunikation: Risiken und Unsicherheiten richtig verstehen lernen http://www.aerzteblatt.de/archiv/81152/Risikokommunikation-Risiken-und-Unsicherheiten-richtig-verstehen-lernen
Warum medizinische Information oft nicht genutzt wird und was man dagegen tun aus. In: Bessere Ärzte – bessere Patienten, http://www.chemie.uni-hamburg.de/igtw/Gesundheit/images/pdf/Bessere%20Aerzte_bessere%20Patienten.pdf
