
Bildquelle: Bildarchiv FRA/CI/CBU: Unternehmen wie die Lufthansa brüsten sich gern als Förderer des Behindertensports. Doch behinderte FLugpassagiere werden doppelt abkassiert
Es ist schon beachtlich, mit wieviel Heuchelei große deutsche Firmen sich des Themas Inklusion annehmen. Klar, Inklusion ist in aller Munde und gilt heutzutage als politisch korrekt. Kratzt man aber an der Oberfläche, stellt man schnell fest, dass es sich oftmals nur um Lippenbekenntnisse oder gesellschaftspolitisch opportune Aktionen handelt.
Der Fall der Deutschen Bahn
Nehmen wir den Staatskonzern Bahn. Sie sagt von sich selbst: „Menschen mit Behinderungen stellen für die Bahn eine wichtige Zielgruppe dar“. Doch in der Realität sieht es wie folgt aus. Pünktlich zu den Olympischen Spielen in Sotchi wurde die Aktions-Bahncard Gold verkauft. Der Clou dieser Aktionskarte lag darin, dass Karteninhaber nach dem Gewinn einer olympischen Goldmedaille am nächsten Tag kostenlos Bahnfahren konnten. Eine prima Idee, die auch ankam. Laut Medienberichten, wurde die Karte über 100.000 Mal verkauft. Die Aktion galt aber nur für errungene Goldmedaillen bei Olympia und nicht für Goldmedaillen bei den später ausgetragenen Paralympics. Insofern wurden die behinderten Sportler und ihre Erfolge wieder einmal entwertet. Ein verheerendes Signal. Zumal sich die Sporthilfe gerade erst entschlossen hatte, die Prämien für paralympische Medaillen denen von Olympia gleichzusetzen (siehe hierzu die Märzausgabe der BBZ).
Der Fall Deutsche Lufthansa
Die Deutsche Bahn ist aber kein Einzelfall, wie die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa eindrucksvoll aufzeigt. Sie gibt sich den Nimbus eines großen Förderers des Behindertensports und will damit aufzeigen, dass der Inklusionsgedanke auch bei Deutschlands größter Fluggesellschaft angekommen ist. Schliesslich ist Lufthansa sogenannter Co-Förderer des Deutschen Behindertensportverbands. Soweit so gut. Doch in Wahrheit schreibt Lufthansa vielen behinderten Passagieren vor, dass sie eine Begleitung mitnehmen müssen, wollen sie mit Lufthansa oder auch mit der Tochtergesellschaft Germanwings fliegen. Behinderte Passagiere müssen also doppelt blechen. Dies ist bei anderen Fluggesellschaften, wie etwa dem Ferienflieger Condor, nicht der Fall.
So mancher Leser mag nun denken: Klar, dass die Heuchelei-Vorwürfe verständlicherweise nur von sensiblen Betroffenen kommen. Mitnichten, denn damit liegt man falsch. Selbst Medien, wie die Wirtschafts- und Finanzzeitung Handelsblatt, werfen diese Inkonsequenz den Unternehmen vor. Dort scheint man den Inklusionsgedanken durchdrungen zu haben.
