Multiple Sklerose: Orientierungshilfen für chronisch Kranke

von: Antje Szardning

MSDiese „Krankheit mit den tausend Gesichtern“ tritt besonders bei Frauen im Alter von 20 bis 40 Jahren auf. Hierbei ist das zentrale Nervensystem (ZNS – Rückenmark + Gehirn) betroffen. Im Bereich des ZNS treten dann Entzündungen auf. Eine Ursache ist meist eine Fehlsteuerung innerhalb des Immunsystems, d.h. des Abwehrsystems. Gebildete „Antikörper“, die normalerweise körperfremde Stoffe angreifen sollten, schädigen nun aber körpereigene Strukturen – die  Hüllen der Nervenfasern. In diesem Fall spricht man von einer „Autoimmun-erkrankung“.

 

Bisher ist MS nicht heilbar, aber mit Medikamenten eindämmbar. Eine vollständige
Ursachenaufklärung liegt ebenfalls noch nicht vor.

Die Symptome

Sie können sehr unterschiedlich sein – je nachdem, welcher Bereich des ZNS befallen ist. Deshalb die Bezeichnung „Tausend-Gesichter-Krankheit“. MS kann aus „aus heiterem Himmel“, d.h. aus scheinbar völliger Gesundheit heraus, beginnen. Sehr häufig treten dann Beschwerden wie Seh- und Gefühlsstörungen (oft in den Armen / Beinen), Schmerzen, Lähmungen, Kraftlosigkeit in den Gliedmaßen oder Gangstörungen auf.

Der Verlauf

Er kann auch sehr unterschiedlich sein. Die auftretenden Beschwerden bilden sich in der Regel weitestgehend zurück bzw. bleiben dauerhaft nicht mehr so stark. Da aber die Krankheit oft „schubförmig“ beginnt und später eher einen chronischen Verlauf nimmt, werden auch die körperlichen Beeinträchtigungen immer gravierender.
Trotzdem kann man sagen, dass die Krankheit nicht in jedem Fall zu einer schweren Behinderung führt.

Medizinische Therapie

Sie basiert auf 4 Fundamenten:
1) einer Therapie bei einem aktuellen „Schub“ ;
2) einer langfristigen Therapie zur Verringerung einer Behinderung;
3) der Therapie der aufgetretenen Bechwerden (Physio- u. Ergotherapie; Alternative Heilmethoden);
4) einer Rehabilitationsmaßnahme.

Die Ernährungstherapie

So wie es nicht die MS gibt, gibt es nicht die MS-Diät. Man kann aber sagen, dass tierische Lebensmittel (reich an gesättigten Fettsäuren) das Entzündungsgeschehen verstärken.
Dagegen kann mit einer vegetarisch ausgerichteten Ernährung, die auch Milchprodukte beinhaltet, ein entzündungshemmender Effekt belegt werden. Außerdem soll auf eine ausreichende Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen (Vitamine A, C, E sowie Kupfer*, Selen*, Zink*) geachtet werden. Dann werden weniger Stoffe, die den Entzündungsprozess begünstigen, gebildet. Die „Mittelmeerküche“ (reich an Obst/Gemüse, Nüssen, Olivenöl, Kohlenhydraten, Fisch, Joghurt, Käse, aber auch „ein Schlückchen“ Rotwein) dient hier als positives Beispiel.

Fett: Der Stoff, der den Entzündungsprozess fördert, ist die aus Nahrung mit viel tierischem Fett (die gesättigten Fettsäuren z.B. im Fleisch) stammende „Arachidonsäure“.
Stoffe, die aber die Bildung des Entzündungsstoffes vermindern, sind in Pflanzenölen (z.B. Lein-, Walnuss- und Sojaöl) enthalten. Es sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Fischöle – z.B. aus den Seefischen – wirken noch intensiver. Sie unterdrücken sogar die Entstehung des Entzündungsstoffes (Ernährung der Eskimos).

Erährungstipps:
-2-3 x in der Woche Fisch (Lachs, Hering, Makrele, Thunfisch); max. 2 x  Fleisch, besser fleischarme Kost; keine Innereien, fette Wurstwaren, Fertigprodukte etc.;
-max. 2 Eier in der Woche, Nudeln ohne Ei (italienische) bevorzugen;
-oft Gemüse-, Kartoffel-, Getreide- oder Sojagerichte und 5 x am Tag Obst und Gemüse (Vitamine A, C…, Mineralien/Spurenelemente) –  vor allem rotes/gelbes/grünes und Ballaststoffe.
-anstatt Butter bzw. billige Margarine lieber Diät- oder Sonnenblumenmargarine und Vitamin-E-reiche Pflanzenöle (Walnuss-, Sonnenblumen-, Soja-, Weizenkeim-, Raps- und Olivenöl) verwenden;
-Rauchen, Alkohol und Stress möglichst meiden.

Literatur u.a.:
– O. Adam. Ernährungsrichtlinien bei Multipler Sklerose – Leitfaden für Patienten. Unterschleißheim-München. 1997.
– www.netdoktor.de + www.dmsg.de

Tipps für Berliner Betroffene/Interessierte:
DMSG-Landesverband Berlin e.V.:
Paretzer Str. 1 / 10713 Berlin / Tel.: 313 06 47 (Mo-Fr 10.00-16.00 Uhr)
(U Heidelberger Platz (Aufzug) oder U Blissestraße Bus 101, Haltestelle Birger-Forell-Platz)

 

Bildquelle: Fotolia / Henrie