Hauptthema der Sitzung war das Konzept zur Interessenbekundung Berlins für die Olympischen und Paralympischen Spiele. Nach dem neuen Grundgedanken des International Olympic Committee (IOC) sollen sich die Städte nicht mehr den Anforderungen der Olympischen Spiele anpassen, sondern die Olympischen Spiele an die Städte.
Olympische Spiele als Konjunkturprogramm
Die Olympischen Spiele und die Paralympics werden ein Konjunkturprogramm nicht nur für den Hochleistungssport sondern auch für den Breitensport sein, da zirka 100 Trainingsstätten benötigt werden. Sie sind außerdem ein Impuls für die nachhaltige Stadtentwicklung, die Wirtschaft, Tourismus und Kultur.
20 Prozent der benötigten Sportstätten sollen neu gebaut werden und für den Sport und die Bevölkerung nach den Spielen zur Nutzung zur Verfügung stehen. Bei allen Planungen, einschließlich der Trainingsstätten, besteht der Anspruch auf Nachhaltigkeit und Nachnutzung durch den Behindertensport. Nicht nachnutzbare Einrichtungen, wie zum Beispiel für die zusätzlich geforderten Zuschauerkapazitäten, sollen temporär gebaut und nach den Spielen zurückgebaut werden.
Bauordnung muss auch für Olympia gelten
Von den Wohneinheiten des Olympischen Dorfes sind gegenwärtig nur 25 Prozent barrierefrei geplant. Dies wurde stark kritisiert. Es wurde auf die Forderung der Betroffenenverbände zur neuen BauO Berlin verwiesen, die im Geschosswohnungsneubau fordert, dass jede Wohnung barrierefrei sein soll. Deshalb wird ein hundertprozentig barrierefreies Dorf gefordert. Wenn man sich um Paralympics bewirbt, sollten schon bestehende Forderungen aufgegriffen werden. Der Landesbehindertenbeauftragte, Dr. Schneider, verspricht sich allein von der Bewerbung starke Impulse für die Behindertenpolitik in allen Lebensbereichen.
Mittel dürfen nicht dem Breitensport entzogen werden
Bereits jetzt stehen nicht genügend Mittel für Übungsstätten für Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung sowie für den barrierefreien Wohnungsbau zur Verfügung. Dazu stellte die Sportverwaltung klar, dass durch die Finanzierung der Olympischen Spiele keine anderen wichtigen Projekte verdrängt werden. Für die Durchführung der Spiele benötigt man zirka 2,5 – 3 Milliarden Euro. Das IOC stellt einen Teil der Gelder aus den Fernseheinnahmen zur Verfügung. Berlin verfügt über sämtliche Ticketing-Einnahmen und Einnahmen aus Werbung beziehungsweise Sponsoring. In London war die reine Durchführung der Spiele dadurch kostenneutral. In dem Durchführungsbudget waren auch die temporären Kosten enthalten. Bei der Erstellung von Infrastruktur und Sportstätten werden zusätzliche Gelder von der Bundesregierung speziell nur im Zusammenhang mit den Spielen zur Verfügung gestellt, die dem Land sonst nicht bereitgestellt würden.
Der bestehende Sanierungsstau müsse, unabhängig von der Durchführung der Olympischen Spiele, abgebaut werden, betonte der Vertreter der Sportverwaltung. Aus deren Sicht würden die Olympischen Spiele dafür als Katalysator genutzt werden können.
Landessportbund ist für Bewerbung
Der Vertreter des Landessportbunds, spricht sich für eine Bewerbung aus, zumal er für den Breitensport zuständig ist. Der Behindertensportverband ist sehr leistungsfähig und verfügt über 208 Vereine in Berlin. Das neue Leitbild heißt: „Sport ist ein Motor für Inklusion“. Gerade weil Berlin auf ein Ziel hinarbeitet, werden mehr Mittel in den Sportbereich fließen, als wenn es die Bewerbung nicht gäbe und dies wird den Breitensport nachhaltig befördern.
Klares Votum für Olympia und Paralympics
Im Anschluss an die Diskussion wurde ein Meinungsbild der Mitglieder zu der Bewerbung ermittelt. Die Mitglieder des Landesbehindertenbeirats stimmten neun Mal Ja für Olympia in Berlin, es gab zwei Enthaltungen und zwei Mal wurde dagegen gestimmt. Der Landesbeirat bietet der Sportverwaltung die Mitarbeit des Gremiums an und sagt zu, bei einem Zuschlag eine Gruppe von Mitgliedern in einer Arbeitsgruppe für die Begleitung zusammenstellen zu wollen.
