Zahlreiche Umwelteinflüsse wie Chemikalien, Strahlung, Lärm und anderes können sich negativ auf die menschliche Gesundheit auswirken. In den 50er Jahren traten in den USA die ersten Fälle der Umweltkrankheit Multiple Chemikalien-Sensitivität (MCS) auf. MCS-Kranke reagieren bereits auf geringste Mengen von Chemikalien mit unterschiedlichen Symptomen. Als wichtigste Rahmenbedingungen für Umwelterkrankungen gelten die mit Innenräumen verbundenen Belastungen wie zum Beispiel Schimmelpilze, Asbest, Holzschutzmittel oder in Haushaltsreinigern enthaltene chemische Stoffe, die für den Zahnersatz verwendeten Materialien wie Amalgam oder Palladium, auch Lärm und Strahlenbelastung sowie Nahrungsmittel bzw. Getränke.
Schwierigkeiten für die Diagnostik
Doch ist im Bereich der Umweltmedizin, die sich mit solchen durch schädliche Umwelteinflüsse verursachten Erkrankungen befasst, die Diagnose nicht immer leicht. Denn die derart bedingten Symptome sind so genannte „unspezifische Symptome“ wie Atembeschwerden, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Übelkeit, Störungen des Immun- bzw. des Schleimhautsystems oder andere. Sie sind meist insofern nicht eindeutig, als sie auch durch andere Krankheitsursachen hervorgerufen sein können. Nur wenn Schadstoffe in deutlich erhöhter Konzentration im Blut, im Urin oder in Organen von Patientinnen oder Patienten nachweisbar sind, lässt sich der negative Einfluss von Umweltfaktoren wissenschaftlich einwandfrei belegen.
Erfahrungen von Umweltkranken
Hier, anonymisiert, eine kurz gefasste Collage von im Internet gefundenen Schilderungen:
„Es wurde immer schlimmer, ich konnte ja nirgends mehr hin und da brachte mir eine Freundin einen Zeitschriftenartikel (…) mit dem Titel:’Sie haben MCS (Multiple Chemikalien-Sensitivität)‘ von Dr. (…). Ohne den Artikel wäre ich mit Sicherheit in der Psychiatrie gelandet, wo meine Angehörigen und auch so genannte ‚Freunde‘ mich hinbringen wollten oder ich hätte die ewige Diskriminierung des ‚eingebildeten Kranken‘ über mich ergehen lassen müssen.“ „Bei mir war es das Ehepaar (…) aus Düsseldorf, das mir auf die Sprünge half. Es war in den USA durch Pestizide krank geworden.Beide hatten MCS. Herr (…) fragte mich, ob ich auch MCS von den Pestiziden bekommen hätte. Ich wusste nichts mit den drei Buchstaben anzufangen. Als er mir dann erklärte, für was MCS steht, wusste ich endlich, wie man es nennt, wenn man auf immer mehr Alltagschemikalien reagiert.“ „Wenig später ging es bei mir ans ‚Eingemachte‘, wie man so schön sagt. Ich wurde von vielen Parfüms, Putzmitteln, frischem Teer etc. bewusstlos.“ „Und das Allerschlimmste ist: Alles ist selber zu bezahlen, aus dem eigenen Portemonnaie – und das bei Hartz IV.“ „Empfehlen kann ich nur (…) und sich seelisch und geistig immer wieder selbst zu ermuntern in der Natur, mit Gedichten und Geschichten und wirklich guten Freunden, falls noch welche da sind.“
Die Umweltsyndrome
Mit diesem Begriff werden relativ neue Krankheitsbilder beschrieben, die mit schädlichen Umwelteinflüssen in Verbindung gebracht werden. Die Syndrome und ihre Ursachen sind noch nicht restlos erforscht und hinsichtlich der Zusammenhänge besteht immer noch Uneinigkeit. Am bekanntesten ist das so genannte Sick-Building-Syndrom (das Kranke-Haus-Syndrom): Es soll unter anderem durch überheizte Räume mit schlechtem Luftaustausch, Schimmelpilzsporen oder chemischen Ausdünstungen aus alten Klimaanlagen verursacht werden. Als mögliche Krankheitszeichen gelten beispielsweise Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche oder gereizte Augen, Atemwege oder Haut. In Zusammenhang gebracht werden Umweltschadstoffe auch mit dem Chronischen Müdigkeitssyndrom (Chronic-fatigue-Syndrom) oder dem Multiplen Chemikalien-Sensitivitäts-Syndrom (MCS).
Noch offene Fragen
Die zentrale Frage ist aber wohl, warum nur einige Menschen an solchen Umwelt- Schadstoffen erkranken, obwohl wir alle mehr oder weniger denselben Einflüssen ausgesetzt sind. Dieser hier entscheidende individuelle Faktor ist eventuell das menschliche Immunsystem, das somit für unterschiedliche Reaktionen auf solche Schadstoffe verantwortlich ist. In den letzten Jahren wird oft die Pyrrolurie als häufige Ursache, ja, als der gemeinsame Nenner für Umwelterkrankungen angesehen oder erwogen. Dies ist eine Stoffwechselstörung, die einen kombinierten Mangel von Vitamin B6 und Zink zur Folge hat. Und dies sind Schlüsselelemente im Stoffwechsel, da sie jeweils Co-Faktoren für über 200 wichtige Enzyme sind. Können diese Enzyme nicht hinreichend gebildet werden und im Stoffwechsel (z. B. zur Entgiftung) zur Verfügung stehen, kann dies gesundheitliche Störungen bedingen. Bisher gibt es für MCS-Kranke noch keine wirksame Therapie. Der Forschungsbedarf ist also enorm.
Abschließend hier, in der Berliner Behindertenzeitung, noch der Hinweis darauf, dass auch für Umweltkranke der Weg in die Welt mit zahlreichen Barrieren erschwert ist: der Arbeitsplatz, die Schule, Verkehrswege, Geschäfte, Fahrstühle, Turnhallen etc. – kein Ort, an dem ein chemikaliensensibler Mensch nicht von Chemikalien in der Luft behindert werden kann.

